Botswana Reise und Safari Reportagen
Botswana

AFRIKA aktuell - Das Reisen und Tourismus Magazin für Safaris nach Botswana und Süd-Ost-Afrika

Botswana Reisen und Safari Reportagen

Urlaub wie Hemingway in Afrika
von
Michael Merbeck, Abendsonne Afrika

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Löwen auf Allrad Touren in Botswana

Einer der zwei prächtigen Löwen auf unserer Pirschfahrt

Ein tiefes, durchdringendes Geräusch, dem erstem Anschein nach weder nah noch fern, scheint sich unwillkürlich zu nähern. Fragend schaue ich meinen Guide an, der gespannt in den afrikanischen Busch schaut, um zu orten, von wo das unheimliche Geräusch herkommt.

Ich kann außer hohem, braunem Gras und ein paar Akazien nichts erkennen - bis plötzlich dieses Geräusch laut und schon fast mein Trommelfell zerplatzend als massives Löwenmännchen neben mir steht. Erschreckt springe ich auf und realisiere, dass es nur ein Traum war. Doch das Löwengebrüll ist in einiger Entfernung wieder zu hören. Gespannt lausche ich den langen Tönen, wie zwei Männchen, das erfahre ich später von Tour Guide David, nach ihren Weibchen suchen.

Sie lassen einen nicht los die Geräusche des afrikanischen Buschs, die, wenn man so da liegt, einen erst tief in ihren Bann und dann in den Schlaf ziehen. Doch die Nacht ist kurz. Um 6:00 Uhr geht es auf die Suche nach den ruhestörenden Löwen. Kaffee, Tee und ein paar Kekse, die von der Küche des Camps schon vorbereitet wurden, warten auf mich, bevor die Pirschfahrt beginnt. Schon nach wenigen hundert Metern spürt man den kühlen, belebenden Fahrtwind im offenen Safarifahrzeug, doch die Aufregung wegen der Suche nach Löwen lässt mich die Müdigkeit und Kälte schnell vergessen. Nach kurzer Zeit ist die Fährte der männlichen Löwen aufgenommen. Die Fotojagd beginnt.

Geschickt fährt David das Fahrzeug durch den Tiefsand im Makgadikgadi N.P. und erklärt mir dabei, dass es einige Zeit dauern kann bis die ersehnte Trophäe auf dem Fotoapparat verewigt ist. Aber Geduld und ein geschultes Auge lassen uns nicht im Stich und so bekomme ich zu sehen, wovon ich immer geträumt habe: frei lebende Löwen mit acht Wochen alten tappsigen Jungen, ihren übergroßen Pfoten und den runden Kulleraugen. Frech sind sie, turnen auf der Mutter herum und ein herumliegender Stock ist eine willkommene Abwechslung, um die sich sechs beige Bündel streiten.

Zurück im Camp heißt es erst einmal Duschen - und da geht das Abenteuer auch schon weiter. Die „Buschdusche“, die aus Reet und Steinen gebaute Naturdusche, befindet sich unter freiem Himmel und mit einem aufsehenerregenden Blick über den ausgetrockneten Boteti-Fluss im Makgadikgadi Nationalpark hinweg. Fasziniert blicke ich über den Fluss zu einem Wasserloch mit planschenden Elefanten und vergesse, dass die Dusche nur 15 Liter warmes Wasser fasst. Die Elefanten konnte ich leider nicht fragen, ob sie mir beim Abduschen der restlichen Seife behilflich sein könnten, also musste ich warten bis die Damen des Camps mit Wassernachschub zur Stelle waren.

Nach 3 Tagen verlasse ich die Makgadikgadi Region, die mit ihren Savannen, Palmen und Salzpfannen ein Juwel Botswanas und ein Reise Wert ist: lustige Begegnungen mit kleinen Erdmännchen, riesigen Zebraherden und das Gefühl, drei Tage wie Hemingway in Afrika gelebt zu haben. Es schien mir unvorstellbar, dass die Eindrücke noch zu übertreffen sind, bis ich mit einem kleinen Buschflieger in das Okavango Delta losflog. Schon der Flug über das Binnendelta lässt mich erahnen, was dieses Ökosystem so einzigartig macht. Palmen und grüne Büsche gepaart mit Flüssen, Lagunen und immer wieder Antilopen, bieten eine Atmosphäre, die seines gleichen sucht.

Mit dem kleinen Flieger gelandet, ging das Abenteuer Botswana auch schon wieder weiter. Keine zwei Minuten war ich unterwegs, da stand er auch schon wie bestellt für mich da: ein riesiger Elefantenbulle, der einem das Herz für Sekundenbruchteile stillstehen lässt. Angst einflößend, mit den Ohren und dem Kopf wackelnd, trötet er lauthals durch seinen Rüssel, anscheinend genauso erschrocken wie ich … und tritt den Rückzug an. Ein Blick auf meine Mitreisenden verrät mir, dass keiner ein Foto geschossen hat. Warum wundere ich mich bloß nicht?

Die Lodge, in der ich im Herzen des Okavango Deltas untergebracht bin, liegt - wie fast alle Lodges hier - in einem privaten Konzessionsgebiet. Das sind riesige Pachtgebiete, bei denen die Anzahl der Betten und damit auch die Anzahl der Urlauber streng limitiert ist. Ich komme mir öfter vor, als wäre ich einer der ersten Entdecker Afrikas. Leicht und luftig ist die Einrichtung der Lodge im offenen Bali-Stil, das Camp ist nicht umzäunt und liegt dazu auch noch mitten in der Wildnis, also nichts mit einsamen, romantischen Spaziergängen unter dem dunklen Sternenhimmel: ab Einbruch der Dunkelheit muss ich einen bewaffneten Guide als

Begleitschutz dabei haben.

Dann kriege ich auch noch eine Drucklufthupe in die Hand gedrückt. Soll ich etwa hier mitten im Urwald eine Fussball-Mannschaft anfeuern, oder was soll das? Handy-Ersatz ist das, Telefon á la Okavango. Wenn Gefahr droht, soll ich mit dem Tröten auf mich aufmerksam machen, Telefon und Handynetze gibt es hier ja nicht. Afrikanische Wildnis pur.

Meine mittägliche Siesta verbringe ich auf der schönen Holzveranda mit einem herrlichen Ausblick auf die Lagune und das Treiben davor - einfach nur ein Genuss für einen Romantiker wie mich. Fast im Sekundentakt, so scheint es mir, verändert sich das lebendige Bild vor meinen Augen. Moorantilopen, Zebras und Impalas, Störche und Adler erscheinen auf der Bildfläche direkt vor meinen Augen. Elefanten streifen durch das Dickicht und kommen ganz nah am Zelt vorbei. Die Vielfalt der Natur zeigt sich mir hautnah. Ebenso die kleinen Gewichtsprobleme, die ich schon vor der Reise hatte. Afrika zum Abnehmen? Ist nicht!

Haben Sie vielleicht ein paar Pfunde zu viel und denken, die könnten Sie in Afrika loswerden? Sollten Sie nicht tun. Klappt nicht mit dem Weightwatchers made in Afrika. Ich habe bestimmt schon zwei Kilogramm zugenommen, aber nicht von Krokodil-Steaks und Antilopenschnitzel. Ich werde hier mit phantastischem Essen gemästet und komme mir dabei schon vor, wie die großen, bis zu sechs Tonnen (!) schweren Dickhäuter, die genüsslich unter den Palmenbäumen die herunter gefallenen Früchte kauen. Frühmorgens um sechs Uhr (habe ich das noch nicht erwähnt, dass man im Busch zeitig aufsteht?) kriege ich schon den ersten kleinen Snack: ein Joghurt und ein paar Kekse.

Danach geht es auf traditionelle Mokoro-Fahrt, das ist ein Einbaumkanu, das früher aus einem ausgehöhlten Baumstamm bestand (zum Glück heute aus Fieberglas) und bei dem ich wie von einem Gondoliere durch das seichte Wasser geschoben werde. Ein Erlebnis, bei dem ich die Zeit und die Welt um mich herum vergesse. Hier spielt nicht das Großwild die Hauptrolle, sondern Vögel, Frösche und Amphibien, zu denen auch die Krokodile gehören, die ich heute aus der Nähe erleben und beobachten konnte. Angelegt wird am idyllischen Ufer einer kleinen Insel mitten in

der Wildnis, dort strecke ich meine Beine aus und lasse mir die hausgemachten Kekse munden. Ich lebe von dem Prinzip Hoffnung, dass vielleicht fünf Minuten Beine vertreten auch ein paar Kalorien verbrennen könnten.

Allrad Safaris in Botswana

Die Viktoria Fälle - „Der Rauch des Donners“

11:30 Uhr: zurück in der Lodge und schon gibt es Brunch. Schlaf nachholen. 15:30 Uhr: frisch gebackener Kuchen für mich. Kann nicht widerstehen. Dazu dann auch noch frische Quiche und Käsehäppchen. Was soll’s, abnehmen kann ich auch zuhause. Ich mache mich jetzt wieder auf in die Wildnis und suche zum Sonnenuntergang ein idyllisches Plätzchen, von dem ich vom Flussufer aus die Flusspferde beim Baden beobachten kann.

Beim Öffnen ihres Mauls fühle ich mich ganz schön klein, riesige Zähne kommen da zum Vorschein - mein bisschen Allgemeinbildung hilft mir jetzt, nicht vor Angst wegzulaufen - sind ja nur Vegetarier. Statt weg laufen gibt es den traditionellen Sundowner - Gin & Tonic.

Es dämmert und wir fahren wieder los. Keine fünf Minuten später ist es ganz dunkel und im Licht des Strahlers, den der Guide abwechselnd nach links und rechts schwenkt, entdecke ich eine Eule beim Verschlingen eines kleinen Vogels, ein Buschbaby, das mich mit riesigen Augen anstarrt und dann das Highlight: vor mir überquert ein Leopard den Weg. Wir folgen ihm dicht auf. Nach einer Buschgruppe biegt er auf eine Lichtung und stößt auf ein Stachelschwein. Ich werde Zeuge eines grandiosen Naturschauspiels: beide erschrecken und schauen sich gebannt an. Das Klicken meiner Kamera ist das einzige Geräusch, das zu hören ist. Ich erwarte, dass jede Sekunde die große Attacke beginnt, habe mich aber getäuscht.

Der Leopard ist nicht interessiert - der muss schon seine Erfahrungen mit den langen, spitzen Nadeln des Stachelschweins gemacht haben und zieht weiter. Ich kehre ins Camp zurück, wo - wie sollte es anders sein, habe ja schon so lange nichts mehr gegessen - bereits die Hauptmahlzeit des Tages auf mich wartet: Der Koch hat auf dem offenen Feuer ein herrliches Menü gezaubert, bei dem sich jeder Küchenchef eines 5-Sterne Restaurants die Finger danach lecken würde. Dann noch ein Drink am traditionellen Lagerfeuer der Boma, ein bisschen Unterhaltung, wer den größten Elefanten und den gefährlichsten Löwen gesehen hat, und dann kann ich mich einfach nur noch ins Bett „rollen“.

Nach drei Tagen Buscherlebnissen geht es für mich am nächsten Morgen mit dem kleinen Buschflieger von der Landepiste der Lodge weiter zum berühmtesten Elefantenpark der Welt, dem Chobe Nationalpark. Hier leben in der Haupttrockenzeit von Juni bis November bis zu 120 000 Elefanten. Es ist ja schon toll, einen Elefanten in voller Größe im Zoo zu sehen, aber es ist ein geradezu aufregendes Erlebnis, die Elefanten bis auf eine Distanz von drei Metern direkt vor sich zu sehen und zu spüren … und das ohne einen Wassergraben dazwischen. Überall trötet es, wenn wir vorbeifahren und es riecht recht streng nach Elefanten.

Irgendwo müssen die 100 Liter Wasser und 300 Kilogramm Futter, die jeder dieser grauen Riesen täglich zu sich nimmt, ja auch bleiben - da reicht kein Katzekloo. Der Ultrasound im Niedrigtonbereich, mit dem die Elefanten selbst auf größere Distanzen kommunizieren, sorgt bei mir für Gänsehaut und das Toben und Plantschen der Jungelefanten im Chobe Fluss kann einem nur ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Im Sekundentakt begegne ich den sanften Riesen.

Nicht unweit vom Chobe Nationalpark liegen die berühmten Viktoria Wasserfälle. Auf dem Weg dorthin habe ich die einmalige Gelegenheit, einen „richtigen“ afrikanischen Grenzübergang zu erleben. Busse, LKWs und ein unglaubliches Wirrwarr von Menschen überquert hier den Zambezi Fluss mit einer spektakulären Fähre. Zum Glück wartet eine kleine private Fähre mit Führer auf mich. Ich glaube, sonst wäre ich heute noch auf der Suche nach dem Weg.

„Der Rauch des Donners“, wie die Fälle von den Einheimischen genannt werden, sind vor allem aus der Luft mehr als beeindruckend. Der Zambezi stürzt sich hier in die Tiefe und erzeugt diese faszinierende Mischung aus Gischt und Donner. Mit einem Hubschrauberrundflug, den ich mir vor Ort mühelos organisieren konnte, ging es für mich durch die einzigartigen Schluchten und über die Fälle hinweg.

Das Bungee Jumping von der Brücke und das Wildwasserrafting habe ich lieber Anderen überlassen - cooler Spaß, aber man wird halt auch nicht jünger. Dafür genieße ich die Sundowner-Bootsfahrt auf dem Zambezi vor der malerischen Abendsonne Afrikas an meinem letzten Abend auf dem schwarzen Kontinent, umgeben von Flusspferden und sich mit dem Schiff kreuzenden Elefanten, so richtig in vollen Zügen - und beginne die Planungen für meinen nächsten Afrika-Trip…



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