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Kenia

Das Masai Mara National Reserve: Ein Tier-Paradies auf hohem Niveau

von Ludwig Schadhauser, Publisher AFRIKA aktuell

Masai Mara Löwe

Hautnahe Begegnung mit Löwen

Die Masai Mara ist im Prinzip die kenianische Fortsetzung der tansanischen Serengeti. Getrennt nur durch die illusorische Linie, die ein kolonialer Grenzbeamter dereinst auf eine Landkarte eingezeichnet hatte...

Doch damit sollte man sich nicht aufhalten, wenn es darum geht, eines der schönsten Tierparadiese der Erde zu besuchen oder zumindest hier, im Rahmen der Gegebenheiten, darüber zu berichten.

Es handelt sich dabei um eine Hochebene, ihr Niveau ist also von Haus aus um die 1500 Meter und höher über dem Meeresspiegel gelegen, was für den Safari-Touristen zunächst einmal bedeutet, dass es hier nachts und morgens empfindlich kalt werden kann, dafür tagsüber gleissender Sonnenschein und Hitze herrscht. Man muss also Vorsorge und Schutz gegen Kälte und Hitze mit ins Gepäck packen.

Ja, und noch etwas: Im offenen Grasland der Masai Mara, auch wenn dies um die 1500 Quadratkilometer sind, sieht man natürlich sofort, wo eine Wildlife-Attraktion sich befindet. Oftmals daran, dass hier bereits drei bis fünf bis sieben Fahrzeuge stehen, um Löwen oder Geparden zu beobachten. Was manchmal ganz schön ärgerlich sein kann. Doch bedenken Sie: Die dort drüben im anderen Fahrzeug denken genauso über Sie ..., und das Paradies mit den anderen zu teilen, heisst auch, dass (hoffentlich) genug Erlöse erwirtschaftet werden, um es dauerhaft zu erhalten!

Die Masai Mara ist also ein Muss und absolutes Highlight für den Natur-Touristen. Dabei setzt sich ihre tiereische Besatzung aus zwei Fraktionen zusammen: Da sind die, die immer hier sind. Die territoralen Arten wie die Löwen, die schnellen Jäger, die das offene Grasland lieben, wie die Geparden, weidende Arten wie die Giraffen, die Topi-Antilopen, die auf Termitenhügeln ständig Ausschau halten und auch für die anderen Tiere mit Wache schieben, und da sind auch 80.000 Gnus, die ständig hier leben.

Doch die zweite Fraktion sind die Wanderer, die Tiere, die sozusagen ständig auf Rundreise zwischen Tansania im Süden, zwischen Ngorongoro-Krater und Serengeti sowie der Masai Mara im Norden und somit in Kenia sind: Bis zu 2 Millionen Gnus und 500.000 Zebras ziehen jährlich hierher, immer auf der suche nach frischem Futter und grünem Gras, und im Prinzip immer dem Regen folgend.

Masai Mara Löwin

Im Busch steckt ein ganzes Rudel und hält Siesta...

Migration, die grosse Invasion. Es ist August in Kenia, und neben den zigtausend Italienern, die in diesem Monat übers Land hereinbrechen, und die hier allerdings keine weitere Rolle mehr spielen sollen, wandern vom Süden her die Millionen Gnus und hunderttausende von Zebras hierher in die Masai Mara.

Sie ziehen nicht auf allzu breiter Front durchs Grasland, sie galoppieren nicht hektisch herein, sondern erscheinen als langer Zug mit einer Breite von etwa 40 bis 50 Tieren. Die Gnus, leicht zu erkennen an ihren gleichlautenden, monotonen Rufen (Gnu, Gnu) bleiben unterteilt in ihre sozialen Gruppen, ihre Trupps aus dem Leittier, dem Männchen und seinem Harem, aufgereiht Gruppe für Gruppe wie Perlen an einer Schnur.

Ihr Instinkt treibt sie an, treibt sie eben in eine bestimmte Richtung. Bald umgeben sie das Fahrzeug, man ist mittendrin im Alltagsleben der Wildebeasts, wie sie auf Englisch genannt werden. Eifersüchtig vertreibt der Bulle andere Männchen, die sich seinen Damen zu arg nähern. Zeit für eine wilde Jagd, für Droh-Gebärden, für Machtkämpfe, und wieder ziehen sie weiter, wie ein schwarz-grauer Strom im gelb-beigen Grasland.

Ein Strom, der stockt, sobald er auf einen Fluss trifft, wie hier auf den Mara River. Es hat geregnet, fast täglich gehen am Spätnachmittag schwere Gewitter mit ihren Regengüssen aufs Land nieder, und das Wasser im Mara River ist schmutzig-braun, hoch, und schnellfliessend.

Ein ernstzunehmendes Hindernis, dort, wo sonst wohl eine leicht zu nehmende Furt ist. Apathisch steht der Zug der Tiere. Einige drehen um. Die Angst vor dem wilden Wasser, Urinstinkte, die den Rückzug befehlen. Gefahr droht! Einige Schritte zurück. Verweilen. Reglos. Und dann die erneute Kehrtwendung.

Sie müssen durch den Fluss, der Instinkt, der ihr Zugverhalten dominiert, hat gesiegt. Gegen den eigentlichen Willen, gegen die Vernunft, wie ferngesteuert. Hektisch stürzen sie sich ins Wasser, das andere, rettende Ufer bereits in Sicht. Sie springen, schwimmen, kämpfen gegen die Strömung.

Und dann, für uns menschliche Beobachter, das Grauen im braunen Fluss. Ein massiger Krokodil-Kopf taucht kurz auf, ein sicheres Zubeissen, ein Gnu versinkt komplett im Wasser. Ohne viel Dramatik, ein, so scheint es, ganz normaler Vorgang in der Natur.

Die anderen erreichen das Ufer, die Panik schwindet. Sie drehen sich um, sie blicken zurück, sie gehen ans Wasser, um zu saufen. Sie saufen, und sie ziehen weiter. Und die Perlenkette auf der anderen Seite reisst nicht ab. Neue Tiere stehen am Ufer, vertieft in ihr Konfliktverhalten. Bis auch sie springen!

Ein Szenario, das jedwedes menschliche Zeitgefühl auslöscht. Und erst, als der Fahrer den Motor des 4WD startet, und auch wir weiterziehen, kehrt die Realität zurück...

Die Masai Mara Nationalpark-Galerie. Klicken Sie bitte unten auf das Vorschaubild...

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