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Kenia

Maasai Village: Zu Besuch in einem Maasai Dorf

von Ludwig Schadhauser, Publisher AFRIKA aktuell

Maasai Dorf Masai Mara

Begrüssungs-Kommando: Chief Ole Nchilakoi (links) und Guide David

Um eingangs gleich keine falschen Illusionen und Schwärmereien aufkommen zu lassen: Ein Besuch in einem Maasai Village ist zunächst keine sehr spontane oder gar persönliche Angelegenheit, denn die Maasai sind äusserst geschäftstüchtig.

Man meldet sich vorab und ausserhalb des Dorfes an, man bezahlt seinen Eintritt, und erst danach hat man das Anrecht auf einen Abstecher hinein in die Welt der Roten Krieger und Hirten innerhalb des Dornbusch-bewehrten Krals.

Um jetzt dann doch keine Missverständnisse in die andere Richtung zu provozieren: Der Besuch lohnt sich und das Eintrittsgeld allemal, und ist nur zu empfehlen. Und die Maasai sind durchwegs freundlich, offen, lustig und für jeden Scherz und jedes Foto zu haben, und zur Beantwortung jeglicher Fragen nach ihrem Alltag und Leben bereit.

Als Begrüssungskommitee haben sich heute als Dorfoberhaupt der Chief namens Ole Nchilakoi und als unser Guide David Sitelu Ole Muli für uns aufgestellt.

David ist ein cleverer junger Mann, spricht natürlich perfekt Englisch und nimmt mir gleich den Stift und den Notizblock aus der Hand, um blitzschnell obige Namen aufzuschreiben. Bei mir hätte dies unter Umständen etwas länger gedauert..., vor allem was den Namen des Dorfes anbelangt, Enikwei Sinele Gorge Man-Iatta!

Wir bezahlen, und der besuch kann beginnen. Schon von draussen hört man den Begrüssungs-Gesang der Dorf-Frauen, die sich für uns aufgereiht haben. In breiter Front singend stehen sie vor uns, und singen für ungefähr 5 Minuten, und dies gar nicht so schlecht, sondern beeindruckend.

Langsam kommen von allen Seiten auch junge Maasai-Krieger hinzu, fünf sind es, und stellen sich abseits der Frauen auf. Sie singen, sie tanzen, sie hüpfen in der für sie so typischen Weise auf und ab.

Der Rest der in etwa 200 Bewohner des Dorfes, der sich aus den Familien von 7 Brüdern, deren Frauen und Kindern zusammensetzt, nimmt das Ganze mit gelassener Routine zur Kenntnis. Things you have to do for money, und nach den beiden Gesangs- und Tanz-Einlagen ist auch für uns zahlende Besucher der offizielle Teil beendet.

Was man jetzt daraus macht, liegt an einem selber. Mein Tipp: Fragen Sie, soviel Sie können! Auch nach ganz einfachen Dingen. So existiert das Dorf zum beispiel erst seit 8 Jahren genau an dieser Stelle. Die 32 Hütten, die kreisrund den freien Innenbereich umgrenzen, wurden aus Kuhdung, vermischt mit Asche erbaut. Den Mauern, die ein Holzgeflecht als Kern umschliessen, benötigen Monate, um vollständig auszutrocknen, sind dann aber hart wie Beton und halten auch ergiebigen Regenfällen gegenüber stand. Mit 12 bis 15 Jahren Haltbarkeit beziffert Guide David die Konstruktion.

Nach aussen wird das Dorf durch eine gut 2 Meter hohe Umgrenzung aus Ästen und Zweigen der Dornbusch-Akazien gegen nächtliche Besuche der löwigen Art geschützt. Und wirklich, freiwillig geht hier keiner durch...

Der Dorfplatz dagegen wirkt auf uns hygiene-versessene Europäer eher befremdend, optisch und vor allem olfaktorisch! Überall liegt Kuh-Dung, liegen und türmen sich die Exkremente von Rindern, Ziegen und Schafen, verströmen unter Sonneneinstrahlung einen doch recht reizvollen bis reizenden Dunst.

Denn nachts füllt sich dieses Areal mit dem Dorf-Kapital, mit der fast unglaublichen Zahl von 420 Rindern und bis zu 3000 Schafen und Ziegen. Für mich unglaublich, doch da Guide David die Zahlen höchstpersönlich auf meinen Block schreibt, werden sie wohl so zu akzeptieren sein.

Maasai Krieger

Boys in Red: Die auffällige Farbe der Kleidung soll Raubtiere wie die Löwen abschrecken

Und noch eines wird klar: Die Maasai sind sehr gastfreundlich. Während in der westlichen Welt Raucher teils schon fast wie Kriminelle ausgegrenzt werden, stürzt man sich hier in Arbeit und nimmt schweisstreibende Mühe auf sich, um auch diesen Teil der Reise-Gruppe zufrieden zu stellen. Als eben ein Mitreisender zum Feuerzeug greifen will, um sich eine Zigarette anzuzünden, wird ihm dies von den Maasai untersagt.

Sie holen ein hartes Rundholz, das in einer Kerbe eines Weichholz-Brettes solange gedreht wird, bis glühendes Holzmehl entsteht. Drei Minuten dauert der Vorgang, danach kommt die Glut auf trockenes Gras, es wird leicht gepustet, und das Feuer zum Zigaretten-anzünden ist bereit...

Zum Abschluss des Besuches werden wir noch in eine der Hütten geführt: Innen drin ist es stockdunkel und das hell-adaptierte Auge erst einmal total überfordert. Dafür erreichen die Innentemperaturen, verbunden mit hoher Feuchtigkeit und einem subjektiv empfundenen Sauerstoffmangel dann doch fast die Werte einer finnischen Sauna. Logisch, für tagsüber ist die Hütte auch nicht erbaut worden, sondern für die Nächte, die hier auf über 1700 Meter Höhe doch empfindlich kalt werden können.

Im Eingangsbereich befindet sich dabei ein kleiner Stall für neugeborene Kälber, Lämmer und Zicklein. Ansonsten beschränkt sich die Innenarchitektur auf zwei Schlafstellen, eine für den Mann und eine für Frau und Kinder. Wie erwähnt, die Hütten sind zum Schlafen da.

Denn das tägliche Leben der Maasai spielt sich drausen ab, die Männer sitzen unter Bäumen und diskutieren, oder hüten das Vieh, und die Frauen erledigen den sonstigen Haushalt oder sind schon einmal fünf Kilometer zur nächsten Wasserstelle unterwegs...


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