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Unterwegs in Madagaskar:

Mahajanga!

von Elfi Littmann


Elfi Littmann
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"Rampitsu maraina" suche ich mir aus dem Kauderwelsch-Reiseführer zusammen und strecke sieben Finger aus. Am nächsten Morgen stelle ich begeistert fest, dass Elija, der Pousse-pousse-Fahrer, mich offensichtlich verstanden hat und mich um 7.00 Uhr morgens zur Stadtrundfahrt am Hotel abholt.

Das Pousse-pousse, die madegassische Variante der Rikscha, hat genau das richtige Tempo für eine Stadtrundfahrt. Zunächst mag es etwas gewöhnungsbedürftig sein, sich in einem solchen Gefährt sitzend von einem Menschen ziehen zu lassen.

Aber der Pousse-pousse-Fahrer verdient sich mit dieser Arbeit seinen Lebensunterhalt - und das wird immer schwieriger, denn viele Einheimische fahren Fahrrad oder benutzen ein Taxi, das durch den Fahrtwind mehr Erfrischung in der glühenden Hitze der Stadt bietet.

Dank seines geschützten Hafens und der verkehrsgünstigen Lage im Nordwesten Madagaskars hatte sich Mahajanga - auch "Majunga" geschrieben - bis 1800 zu einem wichtigen Wirtschaftszentrum entwickelt. Vor allem mit den arabischen Ländern, den Komoren und Ostafrika bestanden Handelsbeziehungen.

Vom komorisch-arabischen Einfluss zeugen heute noch die orientalisch-arabischen Steinornamente an den Häusern, weisse Moscheen mit dekorativen Zwiebeltürmchen und die moslemische Kleidung der Einheimischen im islamischen Viertel am Hafen. Wie überall auf Madagaskar wird der Besucher mit freundlicher Neugier aufgenommen.

Madagaskar Mahajanga

Ein Hafenarbeiter zeigt mir das älteste Haus des Viertels, und der nette Verwalter der Moschee lädt mich ein, mir den Vorraum anzuschauen, in dem zwei riesige, kunstvoll geschnitzte Holztüren die Aufmerksamkeit auf sich ziehen

Da, wo eine der Hauptstrassen der Stadt, die Avenue de France, auf den Strandboulevard stösst, steht ein vermutlich 1.000 Jahre alter Baobab mit 15 m Umfang. Zu Kolonialzeiten war er Versammlungsort und Hinrichtungsstätte.

Am alten Hafen (Vieux Port) herrscht besonders morgens lebhaftes Treiben: Hier werden Schiffe be- und entladen, kleine Vedetten (Motorboote) legen an und ab, und im Hintergrund sieht man die Segelpirogen mit dem Morgenwind auslaufen.

Auf dem Hafenvorplatz wird die angelandete Ware zum Teil gleich verkauft: Kokosnüsse, Säcke mit Reis und grosse Kanister wechseln den Besitzer. Dazwischen immer wieder die für Mahajanga typischen Pousse-pousse mit ihren bunten Plastikfähnchen.

Nach Norden steigt der Strandboulevard stetig an, und die Pousse-pousse-Fahrer haben es in der brütenden Mittagshitze mit 35-40° C besonders schwer. Da ist eine relativ leichtgewichtige einzelne "Vazaha" (weisse Besucherin des Landes), die zudem meist mehr als die üblichen lokalen Transportpreise bezahlt, eine willkommene Ladung.

Auf halber Höhe zieht der "Jardin d´amour" mit seinen weissen Balustraden die Blicke auf sich. Vor dem tiefblauen Mittagshimmel mutet er fast wie ein griechisches Bauwerk an. Die Thermik lässt den Wind im Laufe des Tages kräftig aufbrisen, so dass auf den Segelpirogen mit ihren Holzauslegern die ganze Seemannschaft gefordert ist.

Dieser Teil der Stadt ist besonders reizvoll, denn hier zeigt sich, warum Mahajanga auch "Stadt der Blumen" genannt wird: üppige Bougainvillen in sattem Violett umsäumen Toreinfahrten, und der Vorgarten des Hotels "La Piscine" - eines der besten Hotels der Stadt, ist dicht mit exotischen Gewächsen bepflanzt. Ein Stück hinter dem Hotel führt ein Sandweg zum öffentlichen Strand der Stadt, umsäumt von mannshohen Kakteen, schlanken Palmen und duftenden tropischen Blüten.

Neben dem Strandhotel "La Piscine" mit dem grossem Schwimmbad ist die auf dem Hügel über dem Meer gelegene "Villa Mena" zu empfehlen. Einzelne, sehr gepflegte Bungalows in verschiedenen Preiskategorien schmiegen sich in den Schatten von Palmen und Büschen.

Der riesige Gummibaum würde jene Genossen, die in einem typisch deutschen Wohnzimmer der 50-er Jahre standen, vor Neid erblassen lassen. Ein paar grosse Strahlenschildkröten beäugen neugierig den Besucher. Die Küche bietet das Feinste, was Land und Wasser hergeben: vom Zebusteak über fangfrische Meeresfrüchte und Fisch bis hin zu saftigen Mangos und Papayas.

Madagaskar Mahajanga

Der Sandstrand ist weit genug vom Hafen entfernt und daher sauber - wie auch das Wasser - und das Baden hier gefahrlos. Im Gegensatz zur Ostküste, wo besonders bei Tamatave und Manakara mit Haien zu rechnen ist, sind diese hier eher selten. Ausserdem verläuft die Küste bei Mahajanga sehr flach, so dass Sie nur bei ablaufendem Wasser aufgrund der Strömung etwas vorsichtig sein sollten.

Hier können Sie aus nächster Nähe die abenteuerliche Konstruktion der Segelpirogen und den akrobatischen Körpereinsatz der "Vorschoter" bewundern, die beim Segeln am Wind auf die Ausleger klettern. Sie liefern hier fangfrischen Fisch bei den Häusern am Strand ab: zum Beispiel einen "Capitaine", von dem 2 Leute gut satt werden, Langusten oder Pulpa.

Einen der bilderbuchmässigen Sonnenuntergänge sollten Sie unbedingt am "Cirque Rouge" in Nähe des Flughafens erleben. Am besten lassen Sie sich mit einem "Quatre-quatre" (Geländewagen) fahren, den beispielweise der Patron der "Villa Mena" seinen Gästen anbietet, denn die Strasse ist für ein normales Fahrzeug recht strapaziös.

Der Cirque Rouge ist eine nahezu kreisförmige Felsformation, die an die roten Canyons in Amerika erinnert. In der untergehenden Sonne zeigt er seine schönsten Farben - von Cremetönen über Rosa und Orange bis hin zu einem leuchtenden Orangerot.

Mahajanga, die Stadt am Kanal von Mozambique, hat für jeden etwas zu bieten - vom Naturliebhaber über den Kulturinteressierten bis hin zum Badegast.


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