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Madagaskar

Mehr als nur eine Reise in ein anderes Land...

von Elfi Littmann


Elfi Littmann
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Wer nach Madagaskar reist, hat im Prinzip zwei Möglichkeiten: Entweder er bucht über eine spezialisierte Reiseagentur eine komplett organisierte Tour mit deutschsprachigem, landeskundlichem Führer, Unterkunft in Hotels unter meist europäischer Führung und hohem Standard.

Diese Lösung empfiehlt sich für Reisende, die weder des Französischen noch des Madegassischen mächtig sind, sich eine hochwertige Reise leisten können und im Alltag vielleicht schon genug Stress haben, um sich im Urlaub auch noch um alles selbst zu kümmern.

Oder man fliegt auf eigene Faust, benutzt einheimische Verkehrsmittel wie z.B. das Taxi Brousse (Überlandtaxi - meist in Form eines Minibusses), bringt etwas Zeit und viel Aufgeschlossenheit für die einheimische Kultur mit und ist bereit oder in der Lage, sich auf Französisch oder Malagasy zu verständigen - zur Not eben per Wörterbuch - und die Unwägbarkeiten eines afrikanischen Landes in Kauf zu nehmen.

Welche der beiden Lösungen der Reisende auch wählen mag - Madagaskar ist kein Reiseziel im herkömmlichen Sinn und erschliesst sich seinem Besucher umso mehr, je mehr er sich auf das Land einlässt.

Wer sich über die freundliche Neugier der Inselbewohner, ein strahlendes Lächeln und über Kontakte zu den Einheimischen freut, wer sich für eine zauberhafte Natur, atemberaubende Landschaften und intensive Farben begeistert und bereit ist, wer bereit ist, für die Dauer des Aufenthalts eine andere Einstellung zu Zeit, Priorität und Qualität anzunehmen - der wird von der grossen Insel mehr mitnehmen als nur ein paar Wochen Erholung in einer fremden Umgebung.

Noch mehr als "Mora Mora" (immer mit der Ruhe) hat mich persönlich das "pas de problème, Madame" ("kein Problem, Madame") beeindruckt:

Madagaskar Baum der Reisenden

Hat Ihnen ein Hotelbediensteter bei Ihrer Ankunft um 5.00 Uhr morgens schon mal sein eigenes Bett angeboten, weil kein Zimmer frei war ? Wurden Sie von der gesamten Hotelbesatzung inklusive Chef mit Küsschen verabschiedet ? Oder von jemanden, den sie nicht kannten, ohne grosses Aufheben in das Familienleben integriert und tagelang in dessen Haus einquartiert ?

Auf welche Weise Sie auch reisen mögen - lassen Sie Deutschland ganz weit hinter sich und Madagaskar ganz nah an sich heran. Die Insel und ihre Bewohner haben es verdient.


Aktuelle Situation

Im Sommer 2002 erlebte Madagaskar politische Unruhen, von denen während meiner Reise im November/Dezember 2002 nichts mehr zu spüren war. Der neue charismatische Präsident Marc Ravalomanana, der vom kleinen Strassen-Yoghurtverkäufer zum Millionär mit eigenem privaten Fernsehsender (MBS) aufgestiegen ist, weiss die Madegassen zu begeistern und zu motivieren, ist er doch selbst ein leuchtendes Beispiel dafür, dass man es auch in einem der ärmsten Länderder Erde zu etwas bringen kann.

Marc Ravalomanana hatte dem langjährigen Diktator Didier Ratsiraka nach langer Knechtschaft Wahlbetrug nachgewiesen. Im Verlauf der Unruhen flüchtete Ratsisraka nach Frankreich ins Exil, während seine Anhänger es noch schafften, einen Teil der Infrastruktur auf der Insel durch Sprengungen von Brücken und Strassen lahm zu legen.

Zwei Tage vor meinem Rückflug nach Deutschland am 17. Dezember 2002 wurde der neue Präsident mit über 60 % der Stimmen im Amt bestätigt. Zu seinen Hauptanliegen gehören der Ausbau des Ökotourismus, die Konzentration auf nachhaltige Energien und der Schutz der wertvollen, einzigartigen Flora und Fauna.

In den sechs Wochen meines Aufenthalts war von den vorherigen Unruhen absolut nichts zu spüren: Selbst als Frau allein reiste ich stets unbesorgt und unbehelligt - sogar nachts im Taxi Brousse. Hin und wieder werden die Pässe von regionalen Gendarmen kontrolliert, aber weder Militär noch Polizei treten gehäuft in Erscheinung und verhalten sich dem Besucher gegenüber zudem freundlich und korrekt.

Ich fühlte mich als Besucherin des Landes jederzeit willkommen, was sicher auch darauf zurückzuführen ist, dass die vergangene Saison für den Tourismus äusserst schwierig war: Viele Hotels mussten schliessen, und Mitarbeiter verloren ihre Arbeit. Mit jedem Reisenden, der es wagt, wieder nach Madagaskar zu kommen, kehrt auch ein Stück Hoffnung auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage durch den Tourismus zurück.

Nach sechs wundervollen, erlebnisreichen Wochen mit vielen freundschaftlichen Kontakten, die durch absolut keine Einschränkung getrübt waren, kann ich nur sagen: Eine Reise nach Madagaskar stellt nach meiner Einschätzung zurzeit keinerlei Risiko dar - ich wünsche Ihnen einen wundervollen Aufenthalt mit unvergesslichen Erlebnissen und Eindrücken !


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