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Etappenziel Keetmanshoop: Im Wald der Köcherbäume und am Spielplatz der Riesen

von Ludwig Schadhauser, Publisher AFRIKA aktuell


Köcherbäume Aloe dichotoma Namibia

Werden und Vergehen im Leben der Köcherbäume: Ein alter Stamm ist gestürzt, ein neuer junger Baum wächst gleich daneben, und im Hintergrund stehen die Aloen in der Blüte ihrer Zeit...

Wie so oft im Leben: Die schönsten oder speziellsten Plätze der Welt gehören bereits irgend jemand und dieser jemand ist zwar einerseits so nett und freundlich, sie auch anderen zugänglich zu machen, verlangt andererseits dafür auch einen kleinen finanziellen Beitrag, Eintritt genannt.

Und warum sollte das in Namibia anders sein und warum gerade im Fall des Quiver Tree Forest und Giants Playground nördlich von Keetmanshoop.

Doch erst einmal von Anfang an und schön langsam. Wenn man von Windhoek kommend südlich fährt, kommen kurz vor Keetmanshoop die Schilder zum Quiver Tree Forest. Also runter vom Gas und die Abzweigung nicht verpassen und ab nach links auf die Piste, die nach in etwa 14 Kilometern auf den Hof einer Farm führt.

Man parkt, steigt kurz aus und zahlt in der Farm seinen Obulus, wie oben schon erwähnt, der aber von der Höhe her niemand überfordert. Schliesslich ist das hier nicht Disneyland...

Man setzt die Fahrt fort, durch die Farm durch und hinten rechts ist ein grosser Park-, Camping- und Picknick-Platz. Und da steht man schon direkt vor ihnen, den Köcherbäumen, die sich hier im felsigen Geröll in grosser Zahl und stattlicher Höhe entwickelt haben.

Die Köcherbäume! Wissenschaftlich bezeichnet man sie als Aloe dichotoma, und es ist kaum zu glauben, aber dieser Name sagt es bereits und es ist wahr, es sind Aloe-Gewächse. Und so beginnt das Leben eines neuen Köcherbaumes auch ganz unten am Boden und im Aloe-Outfit. Doch dann verzweigt sich die Pflanze, immer wieder spaltet sie sich in zwei Seitenäste auf und schiebt so nach oben.

Ihr Stamm ist dadurch innen auch nicht holzig hart, sondern weich und faserig und eigentlich als Wasserspeicher gedacht. Höhlt man ihn aus, hat man einen idealen Köcher für seine Pfeile, und daher stammt wohl offensichtlich der Trivialname. Es gibt sogar Erzählungen, die besagen, dass sich die relativ kleinwüchsigen San in alten und grossen Stämmen verborgen haben sollen, und so perfekt getarnt nahe an Beutetiere gelangt sein sollen.

Wie dem auch sei: Hier und nur hier haben die Bäume eine massierte Ansammlung bilden können, während man sie sonst im Süden von Namibia vereinzelt oder in extensiver Dichte findet. Sie lieben es heiss, trocken und felsig, und wachsen zwischen den Granitblöcken zu drei bis fünf, manchmal sogar noch mehr Metern Höhe gen Himmel.

Giant's Playground Namibia

Schweisstreibend: Der Baukasten der Riesen...

Da wir Menschen so unsere Probleme vor allem mit heiss und trocken haben, und das Klettern auf und um die Granitblöcke ebenfalls durstig macht, sollte man sich für die Köcherbäume so um die ein bis zwei Stunden Zeit nehmen, und dabei genug Trinkbares dabei haben.

Irgendwann bummelt man zum Parkplatz zurück und fährt exakt die selbe Strecke wieder Retour zur Farm. Dann links halten, und nach gut einem weiteren Kilometer Fahrt steht man vor einem Gate, dem Tor zum Giants Playground.

Der ist bereits im Eintrittsgeld mit drin, und auch hier gilt wieder der Satz von heiss, trocken und felsig, je nachdem, wie lange man Zeit hat und wie lange und wie tief man durchs Labyrinth der Felsblöcke wandern möchte.

Sehenswert ist der Bauklotz-Kasten eines imaginären Riesenbabys allemal. Sie sehen wirklich so aus, als habe hier ein Riese gespielt und all die Klötze, angefangen von 10 cm Grösse bis hin zu Blöcken, die leicht 8 bis 10 Meter messen, zu bizarren Formen aufgetürmt. Man meint, Menschen, Köpfe, Gesichter oder Tiere in den Formationen zu erkennen.

Auch wenn in Wahrheit der Riese die Natur selbst ist. Die Sonne heizt die Granitfelsen am Tag gnadenlos auf, die kalten Nächte lassen sie schnell abkühlen, es bilden sich Haar-Risse und irgendwann platzt der Block in geometrisch scharf definierte Bruchstücke auf, während andere Teile erodieren oder zu Boden stürzen.

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