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Windhoek: Namibias Hauptstadt zwischen Tradition und Moderne

von Ludwig Schadhauser, Publisher AFRIKA aktuell, mit Informationen von Wilderness Safaris


Windhoek Namibia

Modernes Zentrum zum Shoppen und Bummeln. Hier werden gerade in Namibia gefundene Meteorit-Stücke ausgestellt...

Sauber, überschaubar und doch mit relativ hohem Sicherheits-Standard: Windhoek ist eine angenehme Metropole, wobei sich der Begriff Metropole in dem grossen und extrem dünn besiedelten Land Namibia natürlich von selbst relativiert.

Gerade die Innenstadt lässt sich jederzeit und zu Fuss erkunden, Transportmittel wie Bus oder gar U-Bahn braucht man hier einfach nicht. Aber genau dies macht Windhoek auch so handy für einen 1 bis 2tägigen touristischen Aufenthalt.

In 1650 m Höhe gelegen, bietet Namibias Hauptstadt ein angenehmenes Klims mit Sommertemperaturen zwischen 16 und 34o Celsius und Wintertemperaturen zwischen 6 und 22o Celsius. Die Höhenlage bedingt natürlich auch die absolute Malaria-Freiheit, ein Infektionsrisiko besteht also nicht. Die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit liegt bei etwa 34 %. Trotz des Namens ist es in Windhoek nicht besonders windig, ausser im August und im Oktober, wenn böige Winde einsetzen. Es können auch im November oder Dezember Schauer niedergehen, doch 2/3 der jährlichen Regenfälle (365 Millimeter) werden in den ersten drei Monaten des Jahres registriert.

Windhoek verfügt über ein breites Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten, angefangen vom Vier-Sterne-Hotel bis hin zu gastfreundlichen Pensionen oder vielerlei privaten Unterkünften, sowie in direkter Nähe zur Stadt liegenden Gästefarmen. Zur Enttäuschung vieler junger Besucher fehlt der Stadt jedoch ein Campingplatz. Der nächstgelegene ist im Dan Viljoen Game Park, und dieser liegt 24 km westlich von Windhoek.

Obwohl eine recht kleine Stadt, bietet Windhoek Bürgern und Gästen ein recht breites Spektrum kultureller Aktivitäten. Die Nationalgalerie der Windhoeker Kunstvereinigung und verschiedene private Galerien zeigen Kunst- und Fotoausstellungen, und das Nationaltheater bringt ein regelmässiges Programm. Das Spektrum reicht von Variete-Darbietungen im Warehouse-Theater bis hin zu Dramen und Musicals im NTN-Theater an der Ecke Leutwein- und John-Meinert-Strasse.

Der Name Wind Hoock wurde erstmals im Jahre 1844 von dem Oorlam-Häuptling Jonker Afrikaner um 1840 in einem Brief verwendet. 1890 gründete dann Major Curt von Francois an dieser Stelle eine kleine Siedlung. Sie beherbergte das Hauptquartier der preussischen Schutztruppe, und im Oktober des gleichen Jahres begann man mit dem Bau der Alten Feste, dem ältesten Bauwerk Windhoeks. Heute ist in der imponierenden Festung mit dem eindrucksvollen Blick über die Stadt ein Teil des Staatsmuseums untergebracht.

Ganz in der Nähe steht das bekannte Reiterdenkmal, das im Jahre 1912 zur Erinnerung an die in den Nama- und Herero-Aufständen von 1904 bis 1907 Gefallenen enthüllt wurde. Diese Statue wurde von dem Berliner Künstler Adolf Kurle geschaffen und bei Gladbeck in Blei gegossen.

Schräg gegenüber der Alten Feste steht an der Ecke Leutwein- und Curt-von-Francois-Strasse das Büro des namibischen Ombudsmanns, ein ausgesprochen attraktiver Bau aus den Jahren 1905/06, in dem in Kolonialzeiten höhere deutsche Regierungsbeamte wohnten.

1891 wurde ein Stück unterhalb der Alten Feste eine Messe für Militärhandwerker gebaut, und der Bau hat, mehrfach verändert, ein Jahrhundert überlebt und beherbergt heute eine Bibliothek. Er gehört zu den originalerhaltenen Bauten der Stadt und ist als Ludwig-von-Estorff-Haus bekannt, benannt nach dem Kommandeur der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika, der hier zwischen 1902 und 1910 residierte.

Windhoek Namibia

Die Christuskirche ist das koloniale Wahrzeichen der Stadt...

Der zentrale Punkt der Stadt ist die Christuskirche, eine evangelisch-lutherische Kirche, die 1910 als Friedensdenkmal zum Abschluss der Kriege zwischen den Deutschen und den Nama, Herero und Owambo errichtet wurde. Der Bau, von Gottlieb Redecker in neogotischem Stil entworfen, wurde aus Sandstein der Region errichtet und erscheint, wenn er nachts angestrahlt wird, fast märchenhaft. Kaiser Wilhelm II. stiftete die Altarfenster aus Buntglas, seine Frau die Altarbibel.

In dem eleganten Gebäude auf dem Hügel hinter der Christuskirche tagt das Parlament Namibias. Auch dieser Bau, der 1913 fertig gestellt wurde, stammt von Gottlieb Redecker. Er heisst allgemein Tintenpalast, ein Name, der auf die ungeheure Menge von Schreibarbeiten anspielt, die deutsche Kolonialregierung offensichtlich geleistet hat.

Doch nutzten die Deutschen das Gebäude nur kurze Zeit, denn im Juli 1915 war ihre Zeit in Namibia zu Ende. Während der Mandatszeit tagte hier die Nationalversammlung, und 1991 zog nach ausgiebigen Renovierungen das Parlament Namibias ein. Die friedlichen Gärten des Tintenpalastes wurden wegen ihrer schönen Blumen, Wiesen und schattenspendenden Bäumen immer geschätzt.

Das moderne Zentrum Windhoeks gruppiert sich um die Independence Avenue, vormals die Kaiserstrasse. Sie verläuft entlang der Route, die Jonker Afrikaner für Ochsengespanne zwischen Otjimbingwe und Rehoboth verwendete. Curt von Francois nutzte sie bei der Stadtplanung als Achse, das Land auf der Westseite wurde an Unternehmer verkauft, die Ostseite war für Amtssitze und Verwaltungsgebäude reserviert. Dieses Schema aus der frühen Stadtentwicklung gilt weitgehend bis heute.

Früher hatten Besucher eine weit grössere Auswahl an Hotels als heute. In der Kaiserstrasse gab es einmal 10 Hotels, von denen nur noch der Thüringerhof und das Hotel Hansa existieren. Im Hotel Kronprinz, das seit 1902 bestand, ist heute ein Laden untergebracht; es gehört zu den unter Denkmalschutz stehenden Fassaden. Den besten Blick auf diese Fassaden hat man vom Zoo Park, wo auch eine Informationstafel aufgestellt ist.

Weitere, auf dieser Tafel ebenfalls erwähnte Gebäude sind das Gathemann-Haus mit dem ungewöhnlich geneigten Dach und das Ekrath Gebäude. Der Zoo Park wurde rund um das Denkmal der Schutztruppe angelegt, das 1897 zum Gedenken an die deutschen Soldaten enthüllt wurde, die in der Schlacht gegen Hendrik Witbooi ums Leben gekommen waren. Der Park hiess ursprünglich Truppengarten oder Denkmalsgarten, doch nachdem hier 1916 ein Zoo angelegt wurde, erhielt es seinen gegenwärtigen Namen. 16 Jahre später wurde der Zoo geschlossen, doch der Name blieb bis heute bestehen.

Windhoeks reiche Quellen zogen nicht nur Menschen an, auch Tiere kamen hierher, um ihren Durst zu stillen und als 1962 der zentrale Zoo Park umgestaltet wurde, fand man in einer sumpfigen Ecke des Parks die fossilen Überreste von mindestens 2 Elefanten. Auch verschiedene Werkzeuge und Artefakte wurden dabei entdeckt, und man vermutet, das hier schon vor rund 5000 Jahren Steinzeitmenschen jagten. Die Knochen und Werkzeuge wurden bis 1990 an der Fundstelle belassen; dann beschloss man, das Material der Kollektion des Staatsmuseums einzugliedern. Heute bezeichnet eine Säule mit einer prähistorischen Jagdszene die Fundstelle.

Auf der anderen Strassenseite gegenüber des ZooParks, der von den Einheimischen für ausgiebiges Relaxen und auch das eine oder andere Mittags-Schläfchen genutzt wird, kann man sich dann in die Fussgängerzone und Shopping-Malls stürzen und seine Reise-Souvenirs endgültig vervollständigen.


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