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Highlights und Nationalparke auf den Seychellen

Der Morne Seychellois Nationalpark und der Mount Copolia Forest

von Ludwig Schadhauser, Publisher Afrika aktuell



Morne Seychellois Nationalpark und der Mount Copolia Forest
Imposante Gewächse überall: Im Mount Copolia Forest lernt man viel über die Vegetation der Seychellen

Dicht im Rücken der Hauptstadt Victoria erhebt sich als weithin sichtbares Wahrzeichen der Morne Seychellois in den blauen bis blau-wolkigen Himmel.

Stattliche 905 Meter ist der Berg noch, und vergessen Sie nicht, Victoria selbst befindet sich ja auf Meeresniveau.

Ohne nennenswerten Übergang schraubt sich eine kurvige Serpentinenstrasse aus dem Stadtgebiet heraus durch dichte Vegetation mit hohen Bäumen und grünem Pflanzen-Unterholz und tiefgraue, riesige Granitblöcke hinauf Richtung Berg.

Schon bald befindet man sich im Morne Seychellois Nationalpark, hier herrscht Bau-Stopp, auch wenn sich noch die eine oder andere gut betuchte Villa der Präsidenten und Ex-Präsidenten hier findet, und in der angenehm kühlen Luft auch der eine oder andere Politiker kühlgestellt wurde, wenn er der früheren britischen Kolonialregierung nicht genehm war. Zuletzt wohnte hier der zypriotische Erzbischof Makarios zwar sehr schön, aber doch unfreiwillig für gut ein Jahr.

Eine kühle Brise, wenn auch zum letzten Mal vor dem schweisstreibenden Aufstieg, erwartet uns am Beginn des Pfades durch den Copolia Forest hindurch. 45 Minuten Fussmarsch und etwa 600 Höhenmeter liegen vor uns, bevor wir den gleichnamigen Berg Mount Copolia erreichen werden. Festes Schuhwerk, eine gewisse körperliche Fitness und Trittsicherheit auf den oft schmalen und meist feuchten Holztreppen sei vorausgesetzt.

Ab und an gibt es auch Moskitos. Deren Stiche sind zwar gesundheitlich ungefährlich, Malaria oder ähnliches gibt es nicht auf den Seychellen, aber lästig sind sie doch. Wen es also stört, der nehme eine lange Hose mit, oder zumindest ein gutes Repellent.

Ein guter Guide ist unerlässlich, zum Beispiel jemand wie Cyril von Blue Ocean Travel, der auch auf deutsch die gebotene Botanik allzeit im Griff hat.

Auf Schritt und Tritt und in allen Grössen begenet man dem Zimtbaum. Was früher ein Exportschlager war, hat sich längst schon als grüner Selbstläufer verselbständigt. Hier auf Mahé ist das kein grosses Problem, denn er hilft auf jeden Fall gegen die gefürchtete Bodenerosion und ist keine direkte Bedrohung für einheimische Gewächse, wie er dies zum Beispiel auf Praslin im Vallee de Mai Nationalpark darstellt.

Die Rinde liefert das Aroma, aus dem hierzulande die Weihnachtsträume gebacken werden, die Blätter das Zimtöl. Auch in der traditionellen kreolischen Medizin wird das Blattwerk verwendet, als Tee gegen Fieber, in Kooperation mit Orangen und Zitronengras.

Dieses Citronella-Gras wächst hier auch wild, immer an helleren Stellen im Wald. Gerieben duftet es wirklich herrlich, und neben Tees wird es vor allem in der Küche verwendet, als Teil von Grillsaucen oder in schmackhaften Currys.

Rot-Violett schimmern die Früchte der Prune de France (frz.) oder Coco Plum (engl.) durchs grüne Blattgewirr. Sie schmecken ganz lecker, auch wenn der Kern die dünne Schicht Fruchtfleisch eindeutig dominiert.

Ebenfalls knallrot leuchten herabgefallene Akazien-Samen vom Weg herauf. Die Insulaner nutzen sie ab und an noch für bunte Halskettchen, früher wurden sie auch in der Grundschule zum Rechnen-Lernen verwendet. Essen solle man sie nicht, gerade für Kinder werden sie leicht toxisch.

Das Akazien-Holz selbst dient als Baumaterial für Gerüste oder Fenster- und Tür-Rahmen.

Weitere wertvolle Hölzer wachsen gleich nebenan in den Himmel: der Takamaka-Baum und beispielsweise auch das Bois Rouge, ein Rotholz, das mittlerweile so selten geworden ist, dass man es unter strengen Schutz gestellt hat.

Teuer geworden ist auch ein anderes traditionelles Baummaterial: Die Latanya-Feuille Palme und ihre dichten, langen Wedel. Richtig getrocknet und als Dach verflochten hält sie die Hütte 40-50 Jahre lang trocken. Pro Wedel muss man heute allerdings mit ungefähr einem Euro Kosten rechnen.

Morne Seychellois Nationalpark und der Mount Copolia Forest
Vom Mount Copolia herab sieht man Victoria besonders schön

60 - 70 Farnarten gibt es im Coplia-Wald, vom grossen Bischofsstab bis hin zum Hochzeitsfarn, der als festliche Deko die Trauungszeremonie schmückt oder in Weihnachtskrippen verwendet wird.

Vacoa-Bäume stelzen im wahrsten Sinne mit Hilfe ihrer Luftwurzeln durchs Dickicht. Dadurch leben sie im ersten stock des Waldes und bekommen mehr Licht, wo immer eine Stelzwurzel fuss fasst, kann der Baum sich auch horizontal verändern und im Laufe der Zeit voranmarschieren.

Trotzdem: Ganz langsam sehnt man sich, ungeachtet aller interessanten Gewächse, dann doch ans eigentliche Ziel: das Granit-Fels-Plateau des Mount Copolia. Einmal erklommen, entlohnt es auf zweierlei Weise für die vorausgegangene Mühe. Zum einen gibt es hier oben die mit atemberaubendsten Panoramen über Victoria und die vorgelagerten Inselchen wie Sainte Anne oder Cerf bis rechterhand hin zum Airport.

Dreht man sich, ragt direkt vor der eigenen Nase der Morne Seychellois imponierend empor. Zum anderen wächst hier oben die endemische Pitcher Plant, und mit minimalen Ausnahmen weltweit eigentlich nur hier oben. Es ist eine fleischfressende Kannenpflanze, in deren magensaftgefüllten Bäuchen sich auch unschwer zahlreiche Insekten finden lassen. Hier oben finden die buschbildenden Fliegenfresser die idealen Bedingungen für ihren zersetzenden Job.

Je nach Lust und Laune kann man sich hier oben so um die 30 bis 45 Minuten ausruhen und erholen. Der Abstieg geht wesentlich schneller, in gut 20 Minuten ist man wieder am Fahrzeug und kann seinen Weg fortsetzen, beispielsweise in Richtung der Mission, auch als Venn’s Town bekannt.

Hier finden sich die Ruinen und Fundamente eines Projektes, dass 1875/76 von Reverend Wiliam Chanceller initiiert wurde. Hier sollten die Kinder ehemaliger Sklaven in seinem Grundschul-Projekt die erste Bildung erhalten. Ungefähr 14 Jahre lang lief dies erfolgreich ab, bis 1889 eine direkt in Victoria eröffnete Missions-Schule sich durchsetzte. Noch bis 1903 konnte man weitermachen, danach eroberte sich die Natur die schöne Stelle oben am Berg zurück.

1972 kam die Wende: Queen Elisabeth II eröffnete einen neu angelegten Panorama- und Aussichtspunkt, der heute vor allem an Wochenenden und Feiertagen auch gern von einheimischen besucht wird, Picknick-Korb inklusive.

Man erreicht ihn nach kurzer Wegstrecke vom Parkplatz durch die Mission hindurch, beziehungsweise durch diese ganz spezielle und fast schon bizarre Atmosphäre, die der grüne Zahn der Zeit daraus gemacht hat.



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