Reisen nach ZIMBABWE
Zu Besuch im National Monument Great Zimbabwe
Steinerne Zeugen einer Goldenen Zeit
von Ludwig Schadhauser, Publisher Afrika aktuell
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Die untere Mauer grenzte die High Society vom restlichen Volk ab, oben auf dem Felsen residiert der König über seine Untertanen
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Wer aus Deutschland oder Mitteleuropa stammt, wird erst einmal auf dem Holzweg sein, hier in dieser beachtlichen Kulisse aus behauenen Felsblöcken.
Eine Ritterburg?
Okay, vielleicht nicht ganz erwartet, im Südlichen Afrika, in der Mitte von Zimbabwe.
Aber ganz logisch: Die Shona haben sich dort oben auf dem über 100 Meter hohen Granitblock eine Festung geschaffen, um sich bei Gefahr schnellstens in Sicherheit zu bringen.
Falsch. Das hatten die Shona niemals nötig. Das da oben ist keine Defensiveinrichtung, das war der spektakuläre Regierungssitz der Könige. Da oben residierte der Regent, und er stieg nur ein bis zweimal im Jahr hinab zu seinem Volk. Er hatte seine Minister um sich, seinen Kanzler, seinen Hohen Priester.
An den Hängen wohnte bis hinab zu einer weiteren Umgrenzungsmauer die High Society der Kultur, und ausserhalb lebten die Bauern und Normalbürger. Auf über 20.000 wird die Bevölkerung geschätzt, die sich hier im Laufe vieler Jahrhunderte etabliert und einen hochentwickelten Lebensstandard geschaffen hatte.
Und hier oben in der imposanten Residenz lag auch der Schlüssel zur Schatzkammer. Hier wurde Eisen geschmolzen, hier wurde sogar Gold gewonnen. Zusammen mit dem Elfenbein, das die Jäger von ihren Streifzügen in die Umgebung mitbrachten etablierte sich diese Kultur folglich auch zu einem weltweit attraktiven Handelspartner.
Und weltweit war in der damaligen Zeit eben nicht Amerika, denn wie gesagt, Kolumbus war noch lange nicht geboren, sondern dies waren die arabischen Hochkulturen und dies war nachweislich auch China, Porzellanfunde belegen dies.
Doch wie könnte man sich so eine Handelsbeziehung vorstellen? Arabische Händler segelten mit ihren Daus die Ostküste Afrikas entlang, und ankerten dort wohl irgendwo, wo sich heute Mosambik befindet.
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Die Ostseite der Great Enclosure ist besonders imponierend und prunkvoll mit einem Stein-Relief verziert. Sie diente nicht der Verteidigung, sondern grüsste die heranziehenden Handelspartner
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Dann zogen sie landeinwärts, wo sie irgendwann von der riesigen, 5 Meter dicken und über 10 Meter hohen Mauer der Great Enclosure begrüsst, die sich am Fusse des Königs-Sitzes befindet.
Ein 250 Meter elliptischer langer Prachtbau gen Osten. Und wiederum keine Verteidigungsanlage.
Was auch dadurch deutlich wird, dass die Mauer nach aussen hin mit einem schicken steinernen Relief verziert ist.
In ihr befindet sich auch der rätselhafte konische Turm, massiv, nicht hohl, über dessen Funktion und Bedeutung es auch heute nur Spekulationen gibt. Brannte hier oben ein Leuchtfeuer als Signal für die Anreisenden?
Oder diente er als Fundament für einen noch höheren Aufbau, aus Holz etwa, und im Laufe der Jahrhunderte verschwunden?
Mit Sicherheit geht man heute aber davon aus, dass hier der Harem des Königs untergebracht war. Bis zu 200 Frauen, die er nach Belieben, Lust und Laune zu sich nach oben bestellte. Kein Wunder, dass man von oben einen tollen Ausblick hier herunter zur Great Enclosure hat.
Doch der Weg hinauf ist steil und steinig. High Heels, Pumps, Stöckelschuhe, die Königs-Frau hatte wohl nichts mit dergleichen im Sinn, und auch als Tourist sollte man sich mit festem Schuhwerk an den Aufstieg machen.
Man klettert die in Fels gehauenen Stufen empor, folgt begleitenden Mauern, die sich verengen. Man passiert so eine Art Sicherheits-Schleuse, einen Durchlass im Granit, durch den gerade ein Mensch hindurchpasst. Unbefugte hatten es hier mit Sicherheit schwer!
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Der konische, innen massive Turm gibt immer noch Rätsel auf. Was war seine wirkliche Funktion und Aufgabe?
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Über das Alter, die Blütezeit und das Schicksal der Kultur sind sich die Experten heute so gut wie einig. Begonnen hat alles sehr wahrscheinlich im 8. Jahrhundert, zu einer Zeit also, als hierzulande Karl der Grosse sein Frankenreich schuf.
Great Zimbabwe wurde ständig erweitert und wuchs seiner Blüte entgegen, die man zwischen 1200 und 1500 n.Chr. datiert.
Der Niedergang begann dann ab dem 16. Jahrhundert. Man nimmt an, dass die Böden ausgelaugt waren und keine vernünftigen Ernten mehr erzielt wurden.
Man nimmt an, dass auch der Wildtierbestand selbst in grösserer Entfernung gen Null ging. Und man geht davon aus, dass das Volk aus diesen Gründen grösstenteils abwanderte.
Das endgültige Aus kam dann im 19. Jahrhundert, zu Zeiten, als Shaka Zulu weiter südlich durch seine Expansionen für eine wahre Völkerwanderung vertriebener Stämme sorgte, die auch hier für einen völligen Umbruch sorgten.
Nur kurze Zeit später, gemessen an der Länge seiner Existenz, wurde das versunkene Reich dann vom deutschen Entdecker Carl Mauch im September 1871 aus seinem Dornröschenschlaf gerissen.
Er erkannte die wahre Bedeutung der Ruinen und machte sie in Europa bekannt.
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