Zimbabwe Reise Reportagen
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AFRIKA aktuell - Das Online Tourismus Magazin für Süd-Ost-Afrika
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SIMBABWE
Victoria Falls: Der Fall der Fälle...
von Ludwig Schadhauser, Publisher Afrika aktuell
Air Zimbabwe, Boeing 737, Flugrichtung Nord-West, von Harare aus in einer knappen Stunde erreichbar: Victoria Falls!
Und im Anflug stellt sich mir die bange Frage, ob ich auf der richtigen Seite am Fenster sitze? Ja! Glück gehabt. Der Captain meint es unbekannterweise gut mit mir und passiert den 'Rauch, der donnert' rechterhand. Und wirklich, es ist schon beeindruckend, wie sich die Gischt-Fontäne weithin sichtbar aus dem trocken-braunen Busch abzeichnet.
Auf den ersten Blick könnte man sei wirklich für ein nahendes Buschfeuer halten, und nicht für das Resultat der weltgrössten (zumindest, was die Breite anbetrifft) Wasserfälle der Erde!
Während die Maschine zur Landung ansetzt, fühle ich mich unweigerlich etwas in die Geschichte, in das Zeitalter der Entdecker, zurückversetzt. Oder genauer, in die eines zunächst unfreiwilligen Entdeckers: Dr. David Livingstone. Sein Name und der seiner wohl grössten Entdeckung, der Victoria Wasserfälle, sind auf immer und ewig miteinander verbunden.
Dabei sah er, studierter Mediziner, seine vornehmliche Aufgabe zunächst in der Missionsarbeit. Er siedelte zunächst in Kolobeng, im heutigen Botswana nahe der Hauptstadt Gaborone. Doch Dürre und Krankheiten liessen ihn dort scheitern. So machte er sich auf eine (mehrere) Expedition nordwärts, traf auf den Chobe River, der wiederum in den Zambezi mündet.
Er folgte dem Fluss, dem Oberlauf - im Einbaum-Kanu stromabwärts. Und am 16. November 1855 schrieb er in sein Tagebuch: 'On sights as beautiful as this, Angels in their flight must have gazed!'
Was frei übersetzt soviel bedeutet, dass dieser Anblick wohl jeden erfahrenen Engel zum Staunen bringen müsste (Victoria Falls 'on air' bei einem Helikopter-Flight of the Angels' sehen sie übrigens hier...).
Doch was hat Livingstone damals eigentlich, geologisch gesehen, entdeckt? Vor 150 Millionen Jahren - selbst die Dinosaurier steckten damals noch in den Kinderschuhen - herrschte im südlichen Afrika starke vulkanische Aktivität.
Lava trat aus und formte bis zu 300 Meter dicke Basaltschichten.
Diese lenkten den Zambezi, da nördlich von Victoria Falls im Hochland von Angola und Zambia entspringt, gen Süden und Westen, speiste dort einen grossen See.
Doch da Wasser immer seine eigenen Wege sucht, floss Oberflächenwasser dieses Sees irgendwann auch Richtung Osten.
Es dümpelte sozusagen über den Basalt, bis es auf einen dramatischen, 250 Meter tiefen Abgrund traf: Die Matetsi Schlucht! Diese liegt etwa 100 Kilometer vom heutigen Victoria Falls entfernt! Denn im Laufe der Jahrmillionen grub sich der Zambezi Zentimeter für Zentimeter tiefer in Erosions-Spalten im harten Vulkangestein ein. Und dies auch im Zick-Zack, eben immer dort, wo der Untergrund weicher war! So formte er im Rückwärtsgang die tollen Zambezi-Gorges, die Zick-Zack-Schluchten, die heute den Raftern soviel nasses Vergnügen bereiten. Klar, denn der von 1,7 Kilometer Breite auf wenige hundert Meter verengte Fluss entwickelt hier enorme Fliessgeschwindigkeiten und Wasserkraft!
Zurück in die Gegenwart: Die Victoria Falls erschliesst man sich bequem zu Fuss. Sie sind vom Ortszentrum aus in 10 bis 15 Minuten erreichbar. Natürlich kann man auch ein Auto nehmen und dieses auf dem vorhandenen Parkplatz abstellen. Dort wird man - so man wasserscheu ist - auch Regencapes und -schirme erwerben können. Dann gilt es die Fälle sind auf der zimbabwischen Seite eintrittspflichtiger Nationalpark - das Eingangstor passieren und sich auf den Weg zur Livingstone-Statue machen. Das Denkmal ist wohl der klassische Ausgangspunkt für anschliessende Besichtigung. Toll ist, dass die Fälle unverbaut sind. Man kann sie haut- und abgrundnah erleben..., natürlich gibt es angelegte Wege, die sich gute in die dichte Vegetation einbinden und zu den verschiedenen Aussichtspunkten führen.
Denn der Zambezi, der auch jede Menge Sand und Geschiebe mit sich führt, schafft oberhalb der Klippe Inseln und Inselchen, die die Wasserfälle in verschiedene Abschnitte unterteilen. Sie haben so klangvolle Namen wie Devil's Cataract, Main- und Horseshoe Falls, Rainbow Falls oder Eastern Cataract.
Besonders feucht wird es am Ende der Tour auf der zimbabwischen Seite: Der Danger Point. Man kann bis zum letzten Felsen vor dem Abgrund vorgehen, und nass, aber fasziniert, in den Boiling Pot (Kochtopf) hinabsehen, den Punkt, an dem das Wasser momentan seinen Abfluss in die Schlucht sucht.
Einen halben Tag sollte man für eine ausgiebige Betrachtung des Naturschauspiels einplanen.
Wer die Tour komplettieren will - und es lohnt sich - sollte den Nationalpark wieder verlassen und die Grenze nach Zambia überschreiten. Dies geht auch alles zu Fuss. Auf der zambischen Seite, die zwar nur ein kleines Stück der eigentlichen Fälle besitzt, sieh man die tollsten Regenbogen (zwei auf einmal) und kann sich über glitschige Brücken zum Knife Edge vorarbeiten. Dies ist der Antipode zum Danger Point und ein absolutes Erlebnis!
Der Wasserstand ist übrigens jahreszeitlich stark variierend. Will man die volle Action des wilden Wassers, das 100 bis knapp 110 Meter tief hinabstürzt, bewundern, sollte man die Monate April bis Juni wählen. Dann führt der Zambezi, bedingt durch die vorherige Regenzeit das meiste Wasser. Kommt man etwa im Dezember, wird man der Fluss ist um drei Meter gefallen, nur ein mässiges Schauspiel geboten bekommen. Will man raften, sollte man erst ab Juli anreisen, vorher verhindert das Hochwasser die Tages-Tour in der grössten Waschmaschine der Erde!
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