|
|
Jürgen Sorges ist Freier Journalist und lebt in Berlin.
e-mail
|
|
AFRIKA aktuell - Das Online Tourismus Magazin für Süd-Ost-Afrika
|
Tansania
Die Maasai rund um Ngorongoro
von Jürgen Sorges
»52000 Menschen leben rings um den Ngorongoro-Krater in der Ngorongoro Conservation Area,« erklärt uns Steve Lelo am Abend. »Und wir sind dabei, durch neue Trekking-Angebote rings um das Kratergelände auch dieses Gebiet touristisch zu erschließen. Die Natur reguliert sich selbst auf einen gleichbleibenden Stand. Nun müssen wir auch den Tourismus regulieren.« Keine Frage, die Arche Noah der Tierwelt stößt langsam an die Grenzen des Wachstums. Gleichzeitig wollen die Menschen ringsum am Besucherboom partizipieren, während die Reisenden selbst Natur pur und hautnah wünschen.
Die Einrichtung sogenannter Pufferzonen ringsum die Nationalparkgebiete, wie es mit der Ngorongoro Conservation Area geschieht, ist daher ein wünschenswert folgerichtiger Schritt. Mensch und Natur erhalten gleichberechtigt Lebensräume. war Eine dieser Lösungen präsentiert sich am nächsten Vormittag im sechs km von der Lodge entfernten Maasai-Dörfchen Seneto Maasai Manyata, einer winzigen Subansiedlung des Hauptortes Oloirobi (4000 Einw.), in dem 96 Menschen wohnen.
Sechs Monate im Jahr bewirtschaften sie hier 78 Milchkühe, weitere 100 Rinder äsen gleich hinter dem nahen Dorfhügel, wo gutes Gras wächst. Wir werden mit großem Getöse, einem Auszug der Männer aus dem Dorftor, Tanz und Gesang empfangen. Denn die immer wieder als »stolz« beschriebenen Maasai haben hier mit dem Tourismus längst eine zweite Einnahmequelle erworben. 20000 Schilling Verdienst pro Monat erhält jeder von ihnen, 5000 Schilling bringt jedes Safari-Auto als Eintrittsgebühr.
Wie überall auf der touristischen Welt sind Fahrer und Guide auch hier durch Kommissionen am Geschäft beteiligt. Dieses auf den ersten Blick wenig attraktive System birgt dennoch viele Vorteile: Erstens erlaubt es den Menschen der restlichen Niederlassungen von Oloirobi, unbehelligt von Touristen nach traditioneller Art weiter zu existieren. Zweitens überwindet es die Isolation. Drittens birgt das Dorf noch immer einen Großteil seiner Authentizität (man wohnt tatsächlich dort, Frauen reparieren die Dächer auf traditionelle Art), auch wenn der betriebene Schmuckverkauf wenig mit der Geschichte dieses im 17. Jh. aus Südäthiopien zugewanderten Volkes zu tun haben dürfte. Schließlich bleibt auch die Geschichte, die immer auch Ergebnis von Bevölkerungswanderungen, Bevölkerungszuwächsen und Abnahmen ist, nicht stehen. Noch sind jene Kritiker wie etwa George Monbiot nicht verstummt, der in seinem Buch »No Man`s Land« (deutsch als »Nomadenland« im Buchhandel erhältlich) dem Genozid der Nomadenvölker in Ostafrika und damit einher gehenden Landenteignungen nachgeht, da treibt die allgemeine Entwicklung der Globalisierung selbst in diesem entlegenen Winkel Afrikas schon neuerliche Blüten.
Unterhalb des heiligen Berges der Maasai, des noch aktiven Oldoinyo Lengai und des Keramasi-Vulkans, hart am Randes der steil abfallenden Bruchstufe des Ostafrikanischen Grabens, des Rift Valley, schlägt die Geschichte hart zurück: Dort, in den Ruinen von Engaruka, haben niederländische Entwicklungshelfer dem patriarchal geprägten Lebenssystem der Maasai ein Schnippchen geschlagen. Ausgerechnet Engaruka, eine Stadt, die einmal, so schreibt Hans Hecklau in seinem Standardwerk »Ostafrika«, laut L. S. B. Leakey (1936) 6000 Steinhäuser, kilometerlange Kanäle und Landbewässerungssysteme besaß, ehe diese Siedlung (max. vor 300 Jahren, höchstens aber vor 150 Jahren) von vermutlich zuziehenden Maasai vernichtet wurde, erlernen heute Maasai-Frauen erstmals den Feldanbau mittels Bewässerung...
Die Maasai werden seßhafte Bauern, und so betrachtet ist der Kampf der Seßhaften gegen nomadisch lebende Völker, das bei Tieren nahezu unbekannte »Kain und Abel«-Syndrom der Menschheit, erneut in eine neue Stufe getreten. Sollte indes die von Leakey ermittelte Zahl der Steinhäuser stimmen, so wäre Engaruka für heutige Reisende Symbol einer ostafrikanischen Kultur in diesem Raum, deren Größe um 1700 durchaus mit der Zahl der Steinhäuser in damaligen deutschen Kultur- und Handelszentren wie Köln oder Nürnberg konkurrieren könnte...
Tansania Reisen sicher und einfach in Deutschland buchen
|
 |
Gerd Oelschlaegel vom Safari-Reisebuero Berlin hat als Reiseveranstalter mit die höchste Kompetenz für Tanzania und baut auf langjährige eigene Reise-Erfahrung sowie perfekte Planung vor Ort. Afrika aktuell stellt Ihnen hier diesen Spezial-Reise-Veranstalter vor...
|
|
|
|
|