|
|
Jürgen Sorges ist Freier Journalist und lebt in Berlin.
e-mail
|
|
AFRIKA aktuell - Das Online Tourismus Magazin für Süd-Ost-Afrika
|
Tansania
Serengeti - Ein Klassiker mit Draht zu Deutschland
von Jürgen Sorges
Mindestens auf der Höhe ihrer Zeit waren vor 40 Jahren zwei Herren aus Frankfurt/Main: Deren Dokumentarfilme sich in frühen deutschen Fernsehjahren zu Straßenfegern entwickelten Bernhard und Michael Grzimek. Ein Streifen wurde gar ebenfalls »oscarwürdig«: »Serengeti darf nicht sterben« war und ist das filmische Ergebnis jener ersten, weltweit beachteten Bestandsaufnahme der Tierwelt, die seither tausende Nachahmer gefunden hat. Technisch verbessert, sind indes die Methoden nahezu gleich geblieben.
Auf der Hochebene im Nordwesten Tansanias, eben der Serengeti, zählten die Grzimeks damals exakt 366980 Großtiere: Flußpferd und Elefant, Hyäne und Büffel, »Wildebiests« und Gazellen. Heute weiß die Nachwelt, daß sich die Grzimeks damals wohl verzählt haben. Die Kopfzahl dürfte erheblich höher gelegen haben.
Dennoch schreckte diese große Zahl damals die Weltöffentlichkeit auf. So viele Wildtiere hatte man gar nicht vermutet auf einem Flecken Erde, der beinahe die Ausmaße Schleswig-Holsteins einnimmt. Seither gilt, wenn denn der Ngorongoro-Krater der Petersdom der Naturliebhaber ist, die Serengeti als Vatikan aller Biologen und Naturschützer.
Unser 4x4-Toyota, zum Safari-Jeep umgerüstet, in dem selbst kleine Sandsäcke nicht fehlen, auf denen die Safarigäste ihre Kameras wackelfrei auflegen können, tuckert leise vor sich hin - dann stellt Brian, unser tansanischer Guide und Fahrer, den Motor ab. Langhalsige Tiere der Art »Giraffa kamelopardis« tauchen in diesen ökologische intakten, naturbelassenen »Vatikanischen Gärten« auf, ein Leopard hängt - werbewirksam wie im Kino - lässig in einem Baumgeäst. Ideales Terrain also für eine andere Protagonistin des Hatari-Films, jene eingewillige Profi-Zoofotografin D`Alessandro, im Film kurz »D`Alles«, deren Name so eigentümlich an Tansanias Sammeltaxis, die »Dalla-Dallas« gemahnte...
Ende der Neunziger Jahre erlebte Grzimeks medialer Beststeller eine ungeahnte Rezeptions-Renaissance: »Serengeti wird leben«, nannte sich erst eine nur wenige Jahre zurückliegende TV-Dokumentation des WDR über einen Serengeti-Überflug eines Aachener Unternehmers im Zeppelin.
1999 wurde Grzimeks Anliegen zumindest virtuell sogar erfüllt: »Serengeti lebt«, konstatiert Reinhard Künkel, einer der profiliertesten Tierfotografen weltweit, der tatsächlich selbst sogar in der Serengeti wohnt. Andere sehen seine Arbeit gelassener: »Er ist« - im guten Sinne - »verrückt,« wird mir bedeutet. Künkel bade sogar mit wilden Elefanten, um möglichst sogar Unterwasseraufnahmen der gefährlichen Dickhäuter zu bekommen...
Unser Verhalten ist da, sieht man einmal vom aufgeräumten Gekicher aus dem Nachbarjeep und der emsigen Fotojagd ab, weniger leidenschaftlich, un-waynisch wie -krügerisch: keine tierischen Galopps, kein dröhnendes Halali - kein »Indianer«, den man nach mißlungener Nashornjagd mit klaffender Wunde ins nächste, viel zu ferne Hospital transportieren müßte. Nach Durchqueren des Naabi Hill Park Gate passieren wir die Simba Kopjes, wo Künkels Fernsehteam eines jener wenigen Rhinos ausfindig machte, das heute mit Knopf im Ohr und Kalb an de Seite durch die Serengeti streift. »Radio Rhino antwortet«, heißt neuerdings die Parole, um die vorsintflutlichen, gemütlichen Dickhäuter, die so gar nichts von der Hatari-Agressivität vermitteln, vor Wilderern zu schützen.
Implantierte Peilsender sollen die Kontrolle ermöglichen, während in den Ngorongoro-Krater sogar zwei Weibchen »from outside«, exakt aus Südafrika, eingeflogen werden mußten, um die prekäre Populationslage wieder zu entspannen. Wir sehen majestätisch einher schreitende Giraffen am Gong rock. Auf offener Ebene und unter weitem, mit Cumuluswolken übersätem Himmel grasen unendliche Herden von Zebras und Gnus, die sich für ihren allmählichen Zug gen Norden sammeln. Und wir begreifen, daß der Naturzyklus in dieses semiariden Zone vom Wasser und damit von Regenfällen abhängig ist. Immer wieder entdecken wir, dank Ortskenntnis, Erfahrung und know hows unserer Guides, scheue Leoparden - mindestens ein halbes Dutzend werden es am Ende der Reise sein.
Schließlich halten wir in offenem Buschland in Sichtweite eines Löwenpaares. »Löwen können alle 7 bis 9 Minuten, « meint Brian, »und müssen 200 bis 300 mal, ehe die Paarung abgeschlossen ist.« Doch während wir entschlossen unsere Kameras zücken und wie nahezu alle Serengeti-Besucher in die »Fotofalle« tappen, um, dies »Wunder der Natur« inmitten der prallen Serengetisonne umgehend für den heimsichen Diaprojektor zu belichten, rührt sich der lendenlahme Rudelchef trotz vielfältiger Umgarnungsversuche der Löwin nicht vom Fleck. Simba hat keine Lust, nicht mal ein Gähnen ist ihm zu entlocken. Also beißen wir frustiert in die Lunchreserve (Hähnchenschenkel!) und vertrösten uns auf ein anderes Mal...
Wir fahren weiter. 1986, Erdraupenplage! Eine Eulenfalterart, Spodoptera spodoptera! Hochrechnungen zur Folge hat diese Plage ein Bio-Gewicht von 392000 Tonnen auf die Waage gebracht. Man mag es kaum glauben: Sie hätte damit die mittlere Biomasse aller Groß-Säugetiere in der Serengeti (313000 Tonnen) leicht übertroffen.... Dann ein Blick auf sechs Uhr, den Untergrund vor unseren Füßen: Dung - und ein weiterer, unbekannter Star in der Fauna Ostafrikas, der Mistkäfer. Allein er sorgt dafür, daß die jährlich in der Serengeti anfallenden 445000 Tonnen Bioabfall mit atemberaubender Geschwindigkeit vom Erdboden vertilgt werden. 1,5 Kilo Dung wandelt das fleißige Käferlein in knapp zwei Stunden um. Dann schließlich der größte Biostar der Serengeti, das Gras: 5,6 Millionen Tonnen Biomasse bringt es auf die imaginäre Forscherwaage. Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß allein ein Elefant 200 bis 300 kg täglich an Biomasse verschlingt. Selbst ein Flußpferd, daß 90 Prozent seiner Nahrung unverdaut ausscheidet, sorgt mit dieser Verteilung in den Gewässern für den Arterhalt von zig Seevogelarten, Fischen und Kleinlebewesen.
Abends im Kamp Kusini, das für seine in der Nähe befindlichen »Cheetahs«, Geparden, berühmt ist, wieder »dead as a Dodo«. Oder auch: »Quiet as a Quagga«! Schließlich ist auch diese Zebra-Unterart wie der Dodo (der flügellahme Großvogel Dronte von der Insel Mauritius) längst ausgestorben, dient heute allenfalls noch bei Günter Jauch, um Millionäre zu machen, bzw. bei Harald Schmidt, um Zebrastreifen zu illustrieren...
»Natürlich kommen hierher auch Leute um einen kill zu sehen!« Colin MacConnell, erfahrener Camp-Manger in Kusini, kennt sein Klientel. »Hier ist ein solches Ansinnen anders als in den andere Parks sogar exklusiv erlebbar.« Es ist schon bemerkenswert, daß ausgerechnet der Voyeurismus bei einem Todeskampf eine der Hauptantriebsfedern des Serengeti-Tourismus zu sein scheint. Anders ist auch die Fixierung auf die jährliche große Gnu-Wanderung gen Norden kaum erklärbar. Der Blutzoll, die Maut, die die am Wegesrand lauernden Raubtiere den vorbeiziehenden Herden abverlangen, gilt als besonders attraktives Spektakel. Selbst Tierfilmer Reinhard Künkel läßt seinen »Serengeti lebt«-Film erst einmal mit einer solchen Attacke auf Leben und Tod beginnen... Doch sind es eher die Besucher, die diese Phantasien hierher mitbringen. Leben und Tod gehören zwar zum Zyklus der Serengeti. Doch Colin und seine Frau Karen sind mehr als nur Verwalter von Besucherphantasien.
Für sie hat sich an dieser außerordentlichen Schnittstelle zwischen Zivilisation und Natur, an der sich sogar die Asche des Lagerfeuers frühmorgens geharkt präsentiert, ein Lebenstraum erfüllt. Natur, Großtiere, gelebte Ökologie, schließlich das für sie täglich wiederholbare, Mensch und Natur versöhnende Schlüsselerlebnis, der einzigartige Sundowner auf den Kusini-Kopjes, einer urzeitlichen, kahlen Felsformation, von deren Höhe das sich unendlich ausbreitende Buschland der Serengeti konkurrenzlos erfahrbar wird. Colin und Karen werden ihren eigenen Urlaub nicht etwa an der Küste, sondern rings um ihren Arbeitsplatz, in der Serengeti verbringen, das Lions project besuchen, sich über ökologische Auswirkungen der Bevölkerungsexplosion am Victoria See informieren, sich überzeugend und mit Herzblut für die Sache des Naturschutzes einsetzen.
Seronera, eine neue Ausstellung der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft, letzte Pause vor dem Air strip: »Hallo? Ist da der Flugplatz? Wenn da eine Frau ist, rothaarig, ungefähr einssiebzig ... Unbedingt festhalten, sie hat zwei Giraffen und ein Nashorn gestohlen.« Keine Spur von Zoff per Funk, als wir auf der Seronera-Graspiste stehen und uns verabschieden. Weit und breit ist auch keine rothaarige Giraffendiebin in Sicht, wie sie John Wayne in »Hatari« suchte. Allenfalls die Frucht des Leberwurstbaumes paßt noch in unsere zwölfsitzige Propellermaschine. Giraffen, Elefanten, gar Nashörner für wilde Damen gibt es nun erst wieder in Arusha, als Souvenirs, z.B. aus Malachit. Nach dem Start erhalten wir dafür weit mehr als ein Gratisbonbon, ein einmaliges Highlight: Überwältigend präsentiert sich der Anblick von hunderttausenden Wildebiests und Burchell-Zebras, die sich auf der offenen Endlosebene der Serengeti sammeln, um ihre eigene jährliche Reise anzutreten. Diesen Eindruck sollte man unbedingt mit heimwärts nehmen. Nur hier, in der Serengeti, ist der unbeschreibliche, einmalige Zug der Gnus erlebbar.
Tansania Reisen sicher und einfach in Deutschland buchen
|
 |
Gerd Oelschlaegel vom Safari-Reisebuero Berlin hat als Reiseveranstalter mit die höchste Kompetenz für Tanzania und baut auf langjährige eigene Reise-Erfahrung sowie perfekte Planung vor Ort. Afrika aktuell stellt Ihnen hier diesen Spezial-Reise-Veranstalter vor...
|
|
|
|
|